Lesestoff · Lifestyle · Minimal Waste

#KonMari: Die Magie der Ordnung

Oder auch: Wie ein zufälliges Zitat und die Lektüre des Buches mir zu mehr Ordnung,  Balance und nachhaltigem Umdenken verhalfen. Ich dachte auch kurz daran „Vom Messi zur Putzfee“  als Titel zu nehmen aber mein innerer Chaot fühlte sich davon etwas diskriminiert.

Ich glaube viele von uns kennen das, vor allem die Frauen: Der Kleiderschrank ist voll, aber zum Anziehen findet man trotzdem nichts. Die Regale in der Wohnung platzen aus allen Nähten und es mangelt vorne und hinten an Platz für Neues. Im Badezimmer tummeln sich Cremes, Lotionen, Kuren, Masken, Öle und allerhand Equipment, das uns helfen soll noch schöner zu werden und es kommt trotzdem immer mehr dazu. Um das Chaos einzudämmen gibt es praktische Helferlein wie transparente Kisten und Schubladeneinteiler oder es braucht gleich ein neues Regal. Ihr denkt ich übertreibe? Tatsächlich bin ich öfter zu Ikea gefahren um ein neues Regal oder einen neuen Beistelltisch zu kaufen anstatt den Blick mal auf den Inhalt meiner bereits vorhandenen Einrichtung zu richten. 

Ein richtiger Ordungns-Freak war ich noch nie. Eher watte ich durch das Meer an Kleidung auf meinem Schlafzimmerboden, anstatt alles sofort brav wegzuräumen. Aber an einem Abend saß ich in meiner ausnahmsweise tiptop aufgeräumten Wohnung und war trotzdem innerlich unruhig und angespannt. Ich konnte überhaupt nicht abschalten aber den Grund dafür konnte ich mir nicht erklären. Als ich kurz darauf meinen gigantischen Pax-Kleiderschrank öffnete und wieder nichts zum Anziehen fand, fiel mir schlagartig ein Begriff ein, der sich sofort in meine Hirnkruste brannte: Ballast. Mit großen, fetten Lettern prangerte dieses Wort plötzlich an allem, was ich anblickte. Die feine Bluse, die ich vor Jahren gekauft hatte aber wegen des extravaganten Schnitts nur ein, zwei Mal angezogen hatte. Viele Sachen, die ich eigentlich schon gar nicht mehr anzog aber nicht wegwerfen konnte:

  • „Das Teil was so teuer!“
  • „Aber das ist von einer todschicken Marke!“
  • „Eigentlich nicht mehr so ganz mein Stil aber vielleicht möchte ich es irgendwann nochmal anziehen!“
  • „Zu klein aber irgendwann passt du bestimmt nochmal rein!“

Und so viele Gründe mehr findet man, wenn es darum geht, warum man ein Teil behalten sollte. Vor allem die letzte Kategorie macht den größten Anteil meines Schrankes aus. Also nahm ich mir vor, mal so richtig Platz zu schaffen aber am Ende, war mein Schrank kaum leerer als vorher.
Einige Wochen später stieß ich zufällig auf einen Artikel, der sich damit befasste, wie man am besten Ordnung schafft. Die Autorin probierte  zahlreiche Tipps und Ideen, wie man dauerhaft Ordnung schafft, wobei mich ein Zitat von Aufräume-Expertin Marie Kondo noch Tage später verfolgte: Man solle nur die Dinge behalten, die einem wirklich Freude bereiten. Danach betrachtete ich meine Wohnung plötzlich mit neuen Augen und mir viel auf, dass es nur wenige Dinge waren, bei denen mein Herz vor Freude einen kleinen Hüpfer machte.
Mit neuer Brutalität nahm ich mir wieder meinen Kleiderschrank vor und diesmal kamen Berge an Klamotten zusammen. Viele Teile hatte ich auch schon zu oft getragen. Auch eine Kategorie, an die ich mich vorher nicht ran getraut hatte: Geschenke von meiner Mutter – ich hatte regelrecht ihre Vorwürfe im Ohr, wie ich mich nur von diesem oder jenem trennen konnte. Egal! Nichts war vor meiner Aufräum-Wut sicher und plötzlich lichtete sich das Dickicht nach und nach. Nur eine Kategorie behielt ich: Die Teile, bei denen ich wirklich nochmal hoffte irgendwann wieder reinzupassen. Die verstaute ich in die oberste Schublade mit der Hoffnung auf leichtere Tage.

Und auf einmal fühlte ich mich wirklich leichter. Nicht auf den Hüften aber emotional. Und mit diesem neuen radikalen Blick, ging ich jedes Zimmer durch. Die Küche, das Bad, das Wohnzimmer. Letzteres stellte mich auf eine besondere Probe, mit all meinen geliebten Büchern. Zwischenzeitlich konnte ich mir endlich Marie Kondos Meisterwerk Magic Cleaning in der Stadtbücherei ausleihen und auch für das Bücherschrank-Problem  hatte die Expertin einen Ratschlag: Gilt auch nicht hier Qualität vor Quantität? Und sie hatte Recht. Viele Bücher hatte ich noch nie angerührt, sondern standen auf meiner Lese-ich-schon-noch-irgendwann-Liste.
Die Japaner haben dafür einen passenden Ausdruck: Tsundoku.
Es beschreibt das Sammeln von Lesematerial, das sich dann immer weiter anhäuft ohne, dass wir je reinzulesen. Zwar träumte ich schon immer von meiner eigenen Bibliothek, aber sollte sie dann nicht voller Bücher sein, von denen ich behaupten kann ich hätte sie auch gelesen? Und auch gerne gelesen? Und so kam ein großer Berg an Büchern zusammen, die ich nicht gelesen hatte und von denen ich insgeheim immer wusste, dass ich sie nie lesen werde. Aber auch viele gelesene Bücher kamen dazu. Und mit dem #KonMari-Tipp, sich nochmal in Erinnerung zu rufen, wie man sich beim Lesen gefühlt hat und sich beim Buch für das schöne Erlebnis zu bedanken, fühlte ich mich nicht schlecht, das Buch aus meiner Sammlung zu werfen.
Sich bei Büchern bedanken!? Als ich das zum ersten Mal las musste ich lachen und fand es total absurd, aber es macht es tatsächlich einfacher, sich von Dingen zu trennen, weil man es mit einem guten Gefühl macht und nicht mit einem schlechten Gewissen. Die ausgedienten Bücher kamen teils in den öffentlichen Bücherschrank, teilweise wurden sie gespendet.

Ich bin mir sicher da geht noch was aber fürs Erste bin ich zufrieden 🙂

Das große Ausmisten fand nicht an einem Wochenende stand sondern es brauchte mehrere Tage und Abende, immer wenn ich Zeit und Muße fand. Und all das brachte mir einen neuen Blick auf mein eigenes Kaufverhalten, das sich von da an immer stärker änderte. Wenn ich nun durch den Drogeriemarkt schlendere, greife ich mir nicht mehr im Vorbeigehen irgendeine Gesichtsmaske oder Badezusatz sondern frage mich, ob ich dieses Produkte wirklich brauche. Auch im Supermarkt: schon länger bringe ich meine eigenen wiederverwendbaren Einkaufsnetze mit aber nun beschloss ich nichts mehr in Plastikverpackung zu kaufen, dass ich auch lose bekommen konnte und auch hier kaufte ich weniger unnötiges Zeug: Brot, fertiger Pizzateig, Gummibärchen, etc. Letztere gibt es im Unverpackt Laden (und die sind so lecker, dass ich mir ein Kaufverbot erteilen musste!), Pizzateig kann man wunderbar selber backen und Brot kaufe ich mittlerweile beim Bäcker, der es mir in meinen mitgebrachten Brotbeutel steckt.

Mehr Ordnung und Übersicht im Bad.
Mehr Ordnung und Übersicht im Bad.


Ich hätte nie gedacht, wieviel Einfluss die Ordnung in meiner Wohnung auch auf die Ordnung in meiner Seele hat.
Indem ich mich einmal von allem Unnötigen in meinem Haushalt getrennt habe, fühle ich mich unglaublich befreit. Ich habe mich von früherem Ballast getrennt; ich hinterfrage nun meine Kaufentscheidungen und es öffnete mein Bewusstsein für die Zero-Waste-Bewegung.
Wenn ich meinen Kleiderschrank öffne, sehe ich überwiegend Dinge, die ich gerne trage, was mir meine Entscheidungen am Morgen einfacher macht. Es ist leichter Ordnung zu halten und ich bekomme keine Panik mehr, wenn sich spontan Besuch ankündigt. Mein Weg führte mich weiter zu umweltfreundlichen, selbstgemachten Putzmitteln und diese Auszuprobieren macht mir so viel Freude, dass mir das Putzen mittlerweile richtig Spaß macht. Ich fühle mich zuhause wohler und komme besser zur Ruhe. Mit weniger Dingen braucht man auch weniger Zeit zum Aufräumen.
Ich glaube die beste Metapher für diesen Effekt, ist der Stein, den man in den See wirft: er zieht immer größere Kreise.
Und es gibt noch einen Grund, warum ich weniger Dinge horten möchte: Mir ist klar, dass ich nicht ewig in dieser Wohnung wohnen werde und ich bis vor einiger Zeit scherzte ich noch, dass ich hier besser sterben könnte um bloß nicht alles in Kartons zu packen. (Makaber? Wer… etwa ich?! 😀 ) Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, mein Studium abzuschließen und ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen, auch wenn noch nicht feststeht, wann es soweit sein wird. Aber ich weiß jetzt schon, dass es mit weniger Ballast leichter sein wird und das bedeutet eben, Dinge bewusst zu besitzen.

Habt ihr auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder brodelt es in euch, und ihr wollt mal richtig ausmisten aber ihr traut euch noch nicht ran?
Ich kann das Buch von Marie Kondo nur wärmstens empfehlen. Es beinhaltet viele Denkanstöße und Tipps, in welcher Reihenfolge das Ausmisten einfacher fällt 🙂
Und nun, schnappt euch ein paar alte Kartons und schreitet zur Tat!

Aber ich warne euch: Es macht süchtig! Ich muss mich auf öfters Mal selber ermahnen, mich nicht allzu schell von Dingen zu trennen 😉

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