Lifestyle

Body Positivity #2

Diesen Post wollte ich schon seit so langer Zeit verfassen. So oft hatte ich schon angefangen, war beinahe fertig, löschte wieder ganze Passagen, überarbeitete ihn komplett, fand ihn zu lang, kürzte ihn, schrieb neues dazu… zufrieden bin ich immer noch nicht, aber ich habe gemerkt, dass ich diesen Post fertig schreiben musste, um endlich mit dem ganzen alten Ballast abzuschließen.

Nach meinem ersten Seelenstriptease folgt nun der zweite. Nachdem ich Body Positivity entdeckte, änderte sich mein Leben so schlagartig, dass es einige Wochen dauerte, um damit fertig zu werden. Tatsächlich befinde ich mich immer noch in dem Prozess, denn ich kann selbst kaum glauben, wieviele Bereiche meines Lebens dadurch (positiv) beeinfluss wurden.
Aber wie dieses Abenteuer für mich begann, möchte ich euch erzählen, vielleicht kann ich den einen oder die andere dazu ermutigen mich zu begleiten. Also, wenn du mutig und kühn bist, dann schnapp dir deinen Wanderstock und deinen Rucksack, zieh dir bequeme Schuhe an und los geht’s!

 


Der Film Embrace hatte im Frühling 2017 vielen Frauen zu Tränen gerührt. Leider wurde er nur an ein oder zwei Tagen deutschlandweit ausgestrahlt und meine Begleitung hatte mit kurzerhand abgesagt. Dann warte ich eben, bis er auf Netflix zu sehen ist, versuchte ich mich zu trösten. Im Dezember und Amazon sei Dank, konnte ich mir den Film ausleihen. Schon nach einer viertel Stunde brannten meine Augen vor lauter Tränen. Nach dem Film war ich komplett aufgelöst. So viele Sätze, in denen ich mich wiederfand und so viele starke Frauen, die sich nicht unterkriegen ließen. Schockiert war ich vor allem, wie viele Frauen sich selbst als disgusting beschrieben. Disgusting. Ekelhaft. Widerlich. Abscheulich. Ich konnte es erst nicht glauben aber ja, auch ich fand mich abstoßend. So sehr, dass ich mein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen konnte. Jeden Morgen auf dem Weg ins Bad versuchte ich bloß keinen Blick in den Spiegel zu werden. Bloß nicht meine massige Gestalt zu sehen und schon gar nicht, wie das Fett an meinen Beinen wabbelte. Und obwohl mich der Film so sehr bewegt hatte, war ich wieder schnell in meinem Diät-Kreislauf. Oder sollte ich besser sagen: dem nächsten alles verändernden Lifestyle-Change?

Im Januar war ich längst wieder dabei, mein Leben nach einer Diät auszurichten aber irgendwann, irgendwie und aus einem schicksalshaften Grund, informierte mich Facebook über einen Vortrag im Kulturzentrum Bahnhof Langendeer, unter anderem organisiert durch Feminismus im Pott. Das Thema: Body Positivity, dazu Lesungen von Magda Albrecht und Schwarzrund. Laut Infotext solle es um die gesellschaftlich konstruierten Schönheitsideale gehen und wie man sich dagegen behaupten könne.
Naja, meinen Körper positiv zu betrachten, konnte ich mir in dem Moment nicht so recht vorstellen (eigentlich gar nicht) aber sich gegen Schönheitsideale behaupten? Ich dachte da natürlich gleich an meine Familie, das konnte ich gut gebrauchen!
Zumal Januar schon wieder fast vorüber war – genauso wie meine hochgestochenen Neujahrsvorsätze:

2018 wird genau mein Jahr! Ich will ja nur ein paar Kilos verlieren, wenn ich das jetzt ein paar Monate beinhart durchziehe, dann bin ich bereits im Sommer fit und glücklich – nur ein paar Monate Disziplin! New year, new me! Again!

Den Jahresanfang verbrachte ich mal weder damit mit Fitnesspläne zurechtzulegen und verschiedene Diät- und Motivationsgruppen zu durchforsten. Die waren natürlich voller Vorher-Nachher-Erfolgsgeschichten, die einem zum Jahresbeginn so richtig schön in den Arsch treten sollten. Kommt das jemandem bekannt vor?

Ich überlegte lange hin und her, ob ich zu dem Vortrag gehen sollte. Was würde mich erwarten? Lauter Eso-Blabla, dass mich so lieben soll wie ich bin und wahre Schönheit kommt ja bekanntlich von innen?  Also alles, was ich eh nicht hören wollte?
Ich kann euch unmöglich den ganzen Abend wiedergeben, aber ich sag mal so viel: es war ein knallharter Schlag in meine diätende Fresse. Es ging um Diversität (was für ein wundervolles Wort!), Mehrdimensionalität und vor allem: den Körper im Ist-Zustand anzunehmen. Was für eine wundervolle und bizarre Vorstellung zugleich!
Als Magda Albrecht aus ihrem Buch Fa(t)shionista vorlas, dachte ich beinahe, es sei eine geheime Biografie meines Lebens – so viele Geschichten, die mir bekannt vorkamen und vor allem Gedanken, die mich bis dahin jeden Tag begleitet hatten. Als Schwarzrund ihre Gedichte vorlas, packte mich ein Fieber an Emotionen. Ich kämpfte mehrmals mit den Tränen.

Toll? Toll sieht das aus? Wie ich alles verloren habe, mich jeden Tag verliere, das ganze Gewicht das deinen Blick stört und mich liebevoll umrundet.
Das Ganze Gewicht das für dich und Problem ist und zeigt: ich bin da.
Gerade verschwinde ich Tag für Tag, Gramm für Gramm.
Unter deinem euphorischen Applaus.
Toll, wie ich jeden Tag weniger werde.
Steht mir echt gut
Dieses verschwinden

[…]

Irritation?
Durch das was ich bin?
In jedem Raum
Durch Haare
Durch Körper
Ich bin das Youtube-Video mit aktivierter Kommentarfunktion,
dein web.de Artikel dein Facebook-Post der ungewollt die Einstellung öffentlich hat
Ich bin deine Projektionsfläche für

Scham
Hass
Inspiration
Mut
Ziele

Ich bin nie nur Trainierende
Nie nur Schwimmende
Nie nur ich
Mein Fett ist nie Teil meiner selbst
Es verdeckt laut dir mein dünnes ich
But Im now going to break ur heart
Dieses dünne ich gibt es nicht

By Schwarzrund (Klick, wenn du das ganze wundervolle Gedicht lesen möchtest)

 

Projektionsfläche, schon wieder ein Wort mit einem Schlag-in-die-Fresse-Effekt. Und plötzlich fühlte ich, wie meine ganze Welt, meine ganz eigene Matrix plötzlich zersprang.

Wann habe ich irgendjemandem erlaubt, über mich zu urteilen?
Wann habe ich irgendjemandem die Erlaubnis gegeben, meinen Körper zu kommentieren, weil er oder sie mit dem eigenen unzufrieden war?
Warum muss ich mir das gefallen lassen?
Warum habe ich mir all die Jahre eingeredet und einreden lassen, ich sei nur liebenswürdig, wenn ich dünn genug sei?

Wieso muss ich mich immer dafür entschuldigen, dass ich nicht so aussehe, wie ich es nach irgendjemandes Vorstellung sollte!?

Und ich war beschämt, als ich erkannte wie oft ich mich schon für meinen Körper entschuldigt hatte – ungefragt. „Ich habe gerade einen stressige Uni-Phase hinter mir.“, „Meine Schilddrüse spielt gerade verrückt.“, „Ich habe gerade ungeheuer viel zugenommen, aber weiß nicht wieso.“ – ständig wollte ich meine Mitmenschen wissen lassen, dass ich ja eigentlich nicht so aussehe. Hey, eigentlich bin ich schlank! Naja, zumindest schlanker! Und das schon seit Jahren.

Es gab noch einen Satz, der bereits ganz zu Anfang der Veranstaltung erwähnt wurde und der mein ganzes Leben, meine ganze Existenz auf ein paar läppische Worte reduziert: Wenn ich erstmal genug abgenommen habe, geht mein Leben erst richtig los. Und bis dahin? Leben im Standby-Modus? So lächerlich es klingen mag, mein ganzes Leben wartete ich darauf schlank zu sein. Schöne Kleider? Nein, nur für schlanke Menschen. Partys? Nur für schlanke Menschen. Urlaub? Nur für schlanke Menschen. Was bringt denn schon ein Beach ohne Beach-Body?! Meine geplante Weltreise schob ich immer weiter vor mir her, obwohl ich so sehr davon träumte die Welt zu sehen. Aber nie hatte ich das Gefühl, es verdient zu haben. Unglaublich, dass mein Seelenheil von ein paar Kilos abhing. Wenn der Leidensdruck so hoch ist, wieso sich dann nicht einfach ordentlich selbst quälen, bis man es erreicht hat? Es war immer derselbe Kreislauf: Diäten -> Immer mehr Verbote -> Binging -> Frustration. Und dann stellte ich mir selbst die ultimative Frage: wofür eigentlich? Wollte ich wirklich so ein Leben wie meine Mutter führen? Kleidergröße 34 aber ein Leben voller Verbote, Einschränkungen und Verzicht? Nein, zwanzig Jahre waren schon genug, und es sollten bestimmt nicht noch mehr werden.

Body Positive – und was esse ich jetzt?

Nach dem Abend, stellte ich meine ganze Weltanschauung auf den Kopf.
Eigentlich war mein Leben immer ein Wechsel zwischen Orthorexie und Binge Eating. Den lieben langen Tag dachte ich über Essen nach, was ich essen sollte, ob es gesund genug war und was ich besser essen sollte. Wenn ich aß, begleitete mich immer das Gefühl der Unzulänglichkeit: dieses Gericht ist nicht gesund genug! Seien es ein paar Avocadoscheiben, Nüsse oder das fehlende Grünzeug. Tatsächlich aß ich nur Dinge, von denen ich glaubte, sie entsprächen einem Kompromiss zwischen „gesund“ und „schmeckt mir“. Als ich dann kurzerhand beschloß, alle Regeln beiseite zu legen und nur noch zu essen, auf das ich wirklich Lust hatte, fiel ich in ein Loch:

Auf was hatte ich denn wirklich Lust?
Was schmeckt mir eigentlich?
Wie isst man eigentlich normal?

Ich wusste es nicht. Und auch jetzt, einige Wochen später, weiß ich es immer noch nicht so genau. Normal essen, was ist denn schon normal?! Ein Gericht ohne die Intention des Gewichtsverlusts auszuwählen, das war mir einfach völlig unbekannt.

 

Plötzlich plante ich nicht mehr meinen Tag um mein Essen herum. Wenn ich früher bei Freunden eingeladen war, brach ich in Panik aus. Was wenn ich dort Hunger bekäme, und was solle ich dann essen!? Also aß ich vorher etwas adäquates, was meinem Ernährungsplan entsprach. Der Pizza konnte ich dann später aber trotzdem nicht widerstehen, also aß ich doppelt.
Und wir kennen ja alle das Phänomen: Verbote sind immer interessanter! Ich konnte nie einfach nur durch die Stadt laufen. Ständig sah ich überall Verlockungen. Ich konnte nichtmal an Kamps vorbeigehen ohne direkt an die Apfeltasche oder die knusprigen Schweineohren zu denken, obwohl sie mir nichtmal so gut schmeckten – einfach nur, weil sie für mich verboten waren. Dasselbe mit Backwerk (Spinat-Börek!), dm (Kekse, Schoki und mehr!) oder jedem verdammten Laden, in dem man Oreos und Manner-Schnitten kaufen konnte. Mein Kopf war quasi eine Landkarte für Junkfood. 
Wie viel Leere plötzlich in meinem Kopf herrschte, als ich nicht mehr über all das nachdachte und wie sehr Essen seinen Reiz für mich verloren hatte. Auf einmal war es mir egal. Naja, nicht ganz, schließlich war ich und bin ich nach wie vor mit kleinen Details überfordert. Kleines Beispiel: Soll ich jetzt wieder Öl zum Kochen verwenden? Und Soja-Sahne? Und obwohl ich nicht mehr diäten wollte, wollte ich trotzdem gutes Essen essen, also nährstoffreiche Nahrungsmittel, die meinen Körper versorgen. Your body is your temple. Aber sollte ja nicht gleich zu einem Tempel der Lust ausarten… oder? Plötzlich musste ich mir eine völlig neue Meinung zum Thema „gesundes Essen“ bilden. Mittlerweile glaube ich, dass gesundes Essen zunächst einmal mit (m)einem gesunden Kopf anfängt.

Ich musste mir selbst eingestehen, was ich eigentlich schon lange wusste: Auch die Obsession bezüglich Essen ist eine Essstörung. Aber eine von der Gesellschaft nicht nur tolerierte, sondern fast schon geforderte. Einfach essen? Nein! Jeder hat mittlerweile seine perfekte Ernährung gefunden, jeder befolgt einen übergeordneten, beinahe schon göttlichen Plan. Niemand is(s)t einfach nur. Wenn du dick bist, musst du deine Ernährung einschränken. Bist du dünn, musst du fit sein. Fit is the new skinny.
Ernährung ist unsere neue Religion und wir verfolgen sie so leidenschaftlich wie früher Inquisitoren angebliche Hexen. Die Ernährungstaufe macht uns zu ihren Jüngern, gibt uns somit eine Gemeinschaft – verbreitet die frohe Kunde! – aber sie isoliert uns gleichzeitig. Irgendjemand schrieb in einem Artikel „Sex findet heutzutage in der Küche statt“. Nicht weil uns die Leidenschaft überkommt, sondern weil die einzigen Tabus unserer Gesellschaft heute in den Küchen zu finden sind – oder eben in Restaurants. Zu jeder Zeit zensieren wir unsere Teller. Wir halten uns alle für Individualisten aber wir laufen blindlings einem unrealistischem Ziel hinterher, damit wir alle gleich aussehen: Schlank, makellose Haut, Bauchmuskeln aber gleichzeitig Körbchengröße C, bootylicious aber mit Thigh Gap, Yogi(nis) mit einer Schwäche für Smoothies und Buddha Bowls. Im Film Embrace wurde es mit klaren Worten ausgedrückt: Wir vergleichen uns mit Aliens. Die „perfekten“ Frauen im TV und auch im Bereich im Social Media, überall wird getrickst.

 

 

#effyourbodystandards

Die perfekten Frauen. Kommen wir zurück zu der Idee, das Ich im Jetzt-Zustand zu akzeptieren. Das geht natürlich nicht gleich über Nacht aber es hilft, wenn man sich neue Vorbilder sucht. Instagram war für mich Inspiration. Foodinspo und natürlich auch Bodyinspo. Und jedes Mal wenn eines dieser Vorbilder ein neues Bild in die Insta-Welt entließ, drehte sich mir der Magen um.

„Guck mal, ihr Essen sieht sooo viel gesünder aus als deines.“
„Trink endlich mehr Smoothies!“
„Greens! Du brauchst mehr greens!“
„Die zieht sich abends bestimmt keine Bio-Limo rein!“

Ständig verglich ich mich mit Influenzern und ihren super gesunden Tellern. Meine perfektionistische innere Stimme fand immer etwas zu kritisieren. Aus den Augen aus dem Sinn –  also entfolgte ich jeder Buddha Bowl, jedem Teller Zucchini-Nudeln, jedem Foto mit stahlharten Bauchmuskeln und Yoga-Pose. Stattdessen suchte ich mir neue Vorbilder und ich muss euch sagen, es ist einfach wunderschön, so viele tolle Frauen zu sehen, die sich nicht einschränken lassen. Falls ihr selbst welche sucht, hier nur ein paar meiner neuen Lieblings-Profile: Ashley Graham (eines der Top10 best bezahltest Models der Welt!), Tabria Majors,  Chandler Goodwin, Tess Holliday, Megan Jayne Crabbe, Kate Wasley,  Katie Sturino, Jenna Kutcher, @bebody_positive – und so viele mehr!  #morerealityoninstagram

Wir sind beinahe 3,5 Millionen Frauen auf der Welt, müssen wir da wirklich alle gleich aussehen? Denken wir wieder an das Stichwort Diversität, es ist wichtig zu zeigen, dass es nicht nur einen Typ Frau gibt, sondern unzählige – und alle sind schön. Irgendwann fragte ich mich: würde ich meine mollige Oma mehr lieben, wenn sie schlanker wäre? Natürlich nicht, was für eine blöde und bescheuerte Frage! Ich liebte es als Kind und auch heute noch, wenn sie mich in ihre warmen und  weichen Arme nimmt und mich an sich drückt. Wenn wir so viel Liebe für unsere Mitmenschen aufbringen können, wieso dann nicht auch für uns selbst?

#effyourbeautystandards

Mit mehr Selbstliebe im Herzen und einer tieferen Fuck-the-system-Einstellung im Kopf, war ich an einem Punkt extrem frustriert: als ich meinen Kleiderschrank öffnete. Wo waren all die Farben hin, die Muster, die Kleider und extravaganten Teile!? Okay, im Zuge meiner heimischen Minimalismus-Reform hatte ich viel aussortiert aber als ich meinen Kleiderschrank nun mit meinem neuen Körperbewusstsein öffnete, war ich zutiefst verärgert und beschämt. Früher wurde ich als Kanarienvogel bezeichnet, hin und wieder auch als Papagei. Knallige Farben und Muster? Immer her damit! Life is too short for boring clothes, war mein Motto. Und nun? War mein Kleiderschrank mehr als nur langweilig. Mit mehr Kilos, gab es weniger Kleidung die ich mich zu tragen traute. Ich träumte von weiten Off-Shoulder-Blusen, engen Maxi-Kleidern, Crop-Tops, Cut-out-Kleidern in Signalfarben und Sweatkleidern – aber nichts davon war in meinem Kleiderschrank zu finden. Denn diese Klamotten waren nur für hochgewachsene Menschen bestimmt, oder eben jenen, die schlank genug dafür waren. Sie hatten es verdient modische Kleidung zu tragen, ich nicht.
Und dann sah ich dank meinem generalüberholten Instagram-Feed plötzlich Frauen, die alle meine Fashion-Träume in Größen jenseits der 36/38 trugen – und sie sahen einfach nur fantastisch – und so sexy! – aus. Das wollte ich auch! Und ich klickte mir die Finger wund beim Online Shopping. Zwischenzeitlich stapelten sich bei mir die Versandkartons unter dem Bett, auf dem Bett, neben dem Bett, sprich mein ganzes Schlafzimmer war voller Klamotten. Ich tobte mich richtig aus.

1. Erkenntnis: Es ist wundervoll Hosen zu tragen und sich nicht für oder gegen das Atmen oder Sitzen entscheiden zu müssen.
2. Erkenntnis: Zu sagen, man solle einfach tragen was man möchte, ist leicht – die Umsetzung hingegen nicht. In meinem Kopf sitzt immer noch ein kleiner imaginärer Karl Lagerfeld, der mir einreden möchte, was ich tragen darf und was nicht. Und nicht nur in meinem Kopf, auch draußen bilde ich mir immer wieder ein, kritische Blicke einzufangen. Aber auch hier muss ich mir natürlich Zeit geben, mich erstmal wieder daran zu gewöhnen Kleidung zu tragen, die mir gefällt und nicht lediglich solche, die mich schlanker erscheinen lässt. Apropos: Wem will ich eigentlich mit der Bauchweg-Unterhose was vormachen? Es ist deutlich angenehmer nicht drei Lagen Shapewear zu tragen, um mich schlanker zu mogeln. Das Fett ist ja nicht weg, es ist nur woanders – also scheiß drauf und genieß den Abend, mit allem was dazugehört, unter anderem Sauerstoff! 😉

Fuck your #Fitspo

Sport und ich, das war immer so ne Sache.
Seit meinem 13. Lebensjahr bin ich im Fitnessstudio angemeldet. Sport zu machen, war immer Bestandteil meines Lebens, beinahe jeden Abend. Aber nicht weil ich Freude daran hatte, sondern weil ich musste. Sport war lediglich Mittel zum Zweck, und der Zweck war eben Abnehmen. Seit meiner Gewichtszunahme vor einigen Jahren, hatte sich das geändert. Plötzlich konnte ich nicht mehr, obwohl ich wollte. Meine Beine schmerzten, pulsierten und ich war unglaublich schlapp. Ich zwang mich neue Sportarten auszuprobieren, vielleicht würde ich ja endlich etwas finden, was mir wirklich Spaß machte?
Ich probierte es mit Zumba, Kickboxen, Krav Maga, Hip Hop Dancing, Laufen, Squash, Jumping Fitness, Tennis, Yoga, Pilates – die Liste ist endlos. Als ich am Tiefpunkt meiner körperlichen Verfassung war, fand ich einen Poledancing-Kurs, der an der Uni angeboten wurde. Poledancing wollte ich schon immer ausprobieren aber das war wieder eine Sache, die ich mir für mein schlankes Utopie-Ich aufheben wollte. Jetzt oder nie! Ich meldete mich an aber nicht ohne zu checken, ob man irgendwelche Fitness-Mindestanforderungen erfüllen muss. In der Kursbeschreibung hieß es, es sei für alle Körper- und Fitnesstypen geeignet. Ich konnte es kaum erwarten! Aber die Realität sah anders aus: Nicht nur, dass all die anderen Kursteilnehmerinnen schlank und extrem sportlich waren, ich konnte auch bei kaum einer Übung mithalten. Schon beim Aufwärmtraining bekam ich zu viel und die Kursleiterin sah mich immer mit einem Blick an, was ich denn bloß dort verloren hätte. Schon wieder. Dasselbe hatte ich schon beim Kickboxen erlebt, beim Yoga für fortgeschrittene Anfänger (zum x-ten Mal den Anfängerkurs?!) und eigentlich in jedem Sportkurs.  Es war egal, ob es mir Spaß machte… wäre ich doch nur fitter. Ich gab auf. Mehr oder weniger. Hin und wieder ging ich doch nochmal ins Fitnessstudio, aber Freude an Sport? Ich bestimmt nicht.

Aber wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, bekommt man tatsächlich auch Lust sich zu bewegen, und bei dem bitterkalten Winter, den wir dieses Jahr hatten, hatte ich entsprechend wenig Lust bei Minusgraden spazieren zu gehen. Okay, ich gehe wieder ins Fitnessstudio aber ohne irgendeinen verkackten Plan und dem Ziel Kalorien zu verbrennen! Ich schnappte mir meine aktuelle Lektüre, stellte den Stepper auf eine moderate Geschwindigkeit und begann zu lesen. Noch nie verging die Zeit im Studio so schnell, und noch nie hatte ich so viel Spaß dabei. Kalorien und trainierte Muskelpartien? Das war mir alles egal. Ich fühlte mich einfach nur positiv ausgeglichen. Mittlerweile gehe ich wieder gerne ins Fitnessstudio. Ich mag es mich nach einem langen Tag am Schreibtisch aufs Fahrrad zu setzen und einfach zu lesen. Oder morgens um erstmal wach zu werden. Ausgerechnet das Fahrrad, das immer von mir gemieden wurde, weil es nicht genug Kalorien verbrannte und so unbequem war.
Mittlerweile spiele ich sogar mit dem Gedanken, mich bei einem Volkstriathlon anzumelden. An einem Triathlon teilzunehmen war auch immer eines meiner Ziele, aber erst wenn ich an dem Ziel eines sportlichen, schlanken Körpers angekommen wäre. Ich wollte ja schließlich nicht nur teilnehmen, sonder das Teil auch noch rocken! Jetzt will ich einfach nur teilnehmen, einfach nur zum Spaß.

Haters gonna hate

„Jetzt lässt du dich aber komplett gehen!“
Puh… der Satz nagt immer noch an mir. Ja, kurz nachdem ich dank Body Positivity wieder Freude an Sport, Fashion, Essen, ja eigentlich an allem hatte, wurde mir vorgeworfen mich gehen zu lassen. War das so? War Body Positivity nur eine Ausrede um unentwegt zu Schlemmen und mich nicht mehr um mein Aussehen zu kümmern? Lies ich mich gerade wirklich gehen?

Stop. Unterbrechen wir diese Gedankenkette gleich, bevor sie sich wieder um meinen Hals schlingt und ich kaum noch Luft bekomme. Ich habe wieder so viel Freude in so vielen Bereichen meines Lebens und jetzt soll ich mich gleich wieder dafür entschuldigen, dass ich nicht die Weltanschauung einer Person passe. Aber ich vergebe ihr, denn ich weiß wie verrückt es klingen muss, sein Leben nicht mehr nach einem  freudlosen Dogma auszurichten. Mir ist mittlerweile auch klargeworden: selbst wen ich den perfekten Insta-Vogue-Körper hätte, irgendwas wäre immer noch nicht gut genug. Dann wäre mein Hauptproblem meine Cellulite, meine Körperbehaarung, meine Haare, meine Haut, meine Brüste – es gibt so unglaublich viel an uns, das verkehrt sein kann, irgendwas finden wir immer.

Mittlerweile sage ich mir jeden Tag: Wenn ich alles sein kann, außer schlank, warum fokussiere ich mich dann nur auf das, was ich nicht sein kann?
Wäre mein Kopf nicht all die Jahre durch Ernährungstheorien und Kalorientabellen blockiert gewesen… dann hätte ich vielleicht Zeit und Muße gehabt, neue Sprachen zu lernen, wie ich es immer wollte, dann hätte ich mich nicht von Urlauben abbringen lassen, dann hätte die Fashion-Do’s-and-Don’ts mitgemacht, die ich mir von vornherein verboten hatte; vielleicht wäre ich mit meinem Studium schon weiter oder fertig, vielleicht hätte ich längst den ultimativen Vampir-Roman geschrieben, der mir schon so lange im Kopf spukt, vielleicht hätte ich schon eine Sammlung voller toller Lieblingsrezepte – hätte hätte Fahrradkette.
Es ist schwer nicht zurückzuschauen und mich nicht zu ärgern. Über all die verlorene Energie, die verlorene Zeit, die ganze Frustration, die ganzen bescheuerten Gedanken. Don’t look back, you’re not going that way. Jeder Tag, den ich nicht mit Selbsthass verbringe, ist wie ein Tag auf der anderen Seite des Regenbogens. Aber man kann all die Jahre Gehirnwäsche nicht plötzlich mit einem Schulterzucken hinter sich lassen. Ich überlege immer noch viel zu oft, was ich frühstücken soll, ob ich jetzt wirklich einfach nur Brot mit Nuss-Nougat-Creme essen darf, ob ich wirklich ein Rock tragen kann; sehen meine Arme nicht zu fett aus in diesem Shirt?, ich grolle immer noch den weichen Speckrollen an meinem Bauch und wünsche mir immer noch viel zu oft, sie mögen doch endlich verschwinden und auch nach meiner Radtour auf dem Ergometer freut sich ein kleiner verborgener Teil von mir über die verbrannten Kalorien. Ich merke immer noch, dass das Ich in meiner Vorstellung nicht dem der Realität entspricht: dort bin ich immer noch schlanker, größer, fitter, selbstbewusster, redegewandter, schlagfertiger und entschlossener, als ich wirklich bin. Aber irgendwo muss man aufhören und neu anfangen. Und verdammt, innerlich fühle ich mich so viel leichter.

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Body Positivity #1

Eine Geschichte voller Hass

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Die Beziehung zu meinem Körper ist seit ich zurückdenken kann, eine Beziehung voller Schwierigkeiten, Hass und Liebe. Sollten wir auf dem Parkett einen Tango hinlegen, wären wir das ideale Paar. Bei der bildlichen Vorstellung muss ich schmunzeln. Mein Körper und ich, ein Paar, also auch ein Team? Das tut mir irgendwie leid, denn als mein Teampartner muss sich mein Körper sehr zurückgewiesen fühlen. Anstatt auf die gegenseitigen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, wie man das in einer gesunden Partnerschaft eben tun soll, haben ich seine Bedürfnisse mindestens zwanzig Jahre lang konsequent ignoriert, unterdrückt und ihn mit Vorwürfen bombardiert. Wir sind definitiv bereit für eine Paartherapie.

Wie würde eine Sitzung wohl aussehen? Auf der einen Couch ich, auf der anderen mein geknickter Körper, der nervös zwischen mir und der Therapeutin hin und her blickt.  „Nun, sagen Sie mal, was glauben Sie, wo die ersten Probleme auftraten?“ fragt mich die Therapeutin und sieht mich erwartungsvoll an. Mein Blick schweift. Ja… gute Frage, wie fing das alles an? 

Time Warp

Die Schulzeit

Mein erster Gedanke: ich war schon immer ein dickes Kind. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, stimmt das nicht. Beim betrachten meiner Kinderfotos fällt mir auf, dass ich sogar eigentlich ein sehr schlankes Kind war (außer meine Haare, die wuchsen schon immer breit nach oben). Meine Gewichtsprobleme traten in der Grundschule auf: meine Eltern ließen sich scheiden und ich erlebte immer mehr Mobbing und Zurückweisung in der Schule. Ich flüchtete mich ins Essen, aber dass ich dick war, das war mir nie so richtig bewusst. Ich wusste zwar, dass ich nicht so dünn war, wie die anderen Mädchen in meiner Klasse aber ich dachte tatsächlich, dass sich noch alles in gut proportionierten Grenzen hielt.
Aber während andere Eltern ihre Kinder zur Belohnung mal etwas Schokolade gaben oder es zu besonderen Anlässen gar einen Ausflug zu McDonalds gab, galten schon damals für mich Verbote. Andere Kinder lernten mit dem familiären Süßigkeiten-Schrank umzugehen, bei uns gab es erst keinen. Stattdessen gab es für mich unfreiwillige  sportliche Aktivitäten wie Ballett oder Schwimmen. Oh dieser verfluchte Schwimmunterricht… Ein Highlight erlebte ich jedes Jahr zu St. Martin: Alle erfreuten sich an ihren prall gefüllten Martinstüten, meine wurde konfisziert.  Als ich einmal heimlich ein Stück Schokolade in mein Zimmer schmuggeln konnte, erwischte mich meine Mutter dabei und ich musste das gute Stück wieder ausspucken.

Mini_what

Die Therapeutin unterbricht mich kurz, „Was glauben Sie, welche Konsequenz das für Sie hatte?“. Dass ich nie lernte, mit solchen Verlockungen umzugehen. Und gab es mal doch die Möglichkeit etwas Verbotenes zu essen, stürzte ich mich sofort drauf und stopfte alles in mich hinein – wer weiß, wann es ein nächstes Mal gab? 

Dass ich wirklich übergewichtig war, wurde mir ungefähr in der 7. Klasse bewusst. Ich glaube ich wog in der Zeit ungefähr 80kg bei einer Körpergröße von ca. 160cm (oder etwas weniger). Und plötzlich kommentierte jeder meinen Körper.
„Meine Mutter findet, dass bei dir noch alles gut verteilt ist.“ sagte mit eines Tages meine Freundin N, deren Mutter ich höchsten mal sah, wenn sie ihre Tochter von der Schule abholte.
„Hey, ich hätte nicht gedacht, dass du doch noch so schlanke Beine hast – also bei deinem Gewicht..“ kommentierte E, die Sportskanone der Klasse in der Umkleidekabine, als ich ausnahmsweise mal eine enge Radlerhose zum Sportunterricht trug.

Aber der Kommentar, der mir heute noch Wuttränen in die Augen treibt, kam von meinem damaligen Deutschlehrer. Nach einer Unterrichtsstunde, rief er mich zu sich. Ich war furchtbar aufgeregt und nervös, was wollte denn ein Lehrer nach der Stunde mit mir besprechen? Er fackelte nicht lange: „Du musst dringend abnehmen.“ sagte er mit einem gehässigen Grinsen und verwies auf mein gefährdetes Wohlbefinden. Wenn ich mich bis dahin wohl fühlte, war es nun endgültig vorbei. Ich weiß nicht mehr, was er noch sagte, denn mit seinen Worten schlug er wie eine Panzerfaust auf mich ein. Aber das sollte nicht sein letzter Kommentar zu meinem Körper bleiben, denn wenige Monate später, kommentierte er beim Elternsprechtag, dass meine Brüste für mein Alter ja schon viel zu ausgeprägt seien. Hashtag: Sexualisierung in der 7. Klasse.
Aber die größte Demütigung erfuhr ich – wie kann es anders sein –  in der Familie, und noch heute verfolgt mich dieser Augenblick in meinen Träumen und zersprengt mein Herz in tausend Splitter. Eines Tages begleitete ich meine Mutter auf der Arbeit und eine ihrer Stammkundinnen kam herein. Ich saß auf dem Schreibtischstuhl und las in einem Buch, als mich die Dame ansah, musterte und sich an meine Mutter wandte um mit ihrem folgenden Kommentar meine kindliche Seele für immer zu vergiften: „Aber Frau H, Ihre Tochter ist doch gar nicht so dick wie sie immer sagen.“

Die Therapeutin reicht mir ein Taschentuch. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie stark mein Herz plötzlich rast, meine Augen brennen von dem Versuch die Tränen zurückzuhalten. Mir stockt der Atmen. „Atmen sie mal kräftig ein und aus.“ beruhigt mich mein Gegenüber und ich wische ganz nebensächlich die Tränen weg, die mir nun heiß über die Wangen rollen. 

Mit gerade mal 13 Jahren fasste ich dann den Entschluss, nur noch zu essen, wenn ich wirklich Hunger hatte und versuchte Kohlenhydrate zu meiden, wo ich nur konnte.
Heute kommt es mir völlig absurd vor, dass ich mich in dem Alter mit Makronährstoffen auseinandersetzte. Aber so war es, und es folgten Jahre der Diät, der Verbote und des Verzichts. Nachdem ich ein halbes Jahr schon mein Abendessen durch Fitness-Shakes ersetzt hatte und mindestens jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio ging, verlor ich gut 25kg Gewicht. Fitnessstudio, mit 13!? Fragen sich jetzt vielleicht einige von euch. Tatsächlich war eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio erst mit 16 Jahren möglich, aber aufgrund meines Übergewichts, machten die Betreiber eine Ausnahme für mich – wie nett 😉 Während andere Kinder meines Alters nach der Schule Spaghetti Bolognese bekamen und abends eine ordentliche Mahlzeit, gab es für mich Low Carb und Pülverchen aus dem Chemiebaukasten.

What?!

Man möchte meinen, dass meine Welt nun in Ordnung war und ich endlich am Ziel meiner Träume war. Pustekuchen.
(Hat hier jemand Kuchen gesagt?!)
Mittlerweile irgendwo bei meinem vermeintlichen Idealgewicht angekommen und endgültig das gesunde Verhältnis zu Essen verloren, machte meine Familie einen fatalen Fehler: Familienurlaub bei meinen brasilianischen Verwandten. Es ist ja meistens so, dass Großeltern die Liebe zu ihren Enkeln mit Essen unter Beweis stellen aber noch ausgeprägter sind diese Liebesbeweise, wenn sie besagtes Enkelkind nur alle paar Jahre sehen, dank über 8000km Entfernung – und sehr viel Wasser dazwischen. In der kurzen Zeit, nahm ich also unweigerlich ein paar Kilos wieder zu. Also wog ich jetzt round about 60kg bei 165cm Körpergröße. Heute denke ich sehnsüchtig daran zurück, hach, das wär’s nochmal. Aber damals verdammten mich diese paar Extra-Kilos zu weiteren Jahren voller Diäten, Druck und Selbstzweifel.
Mein Bauch? Nicht flach genug.
Meine Beine? Viel zu kurvig.
Mein Hintern? Fangen wir erst gar nicht davon an…
Es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Kardashians große Hintern salonfähig machten und plötzlich Millionen Frauen Booty-Training absolvierten und sich Po-Einlagen für ihre Hosen kauften. Po-Einlagen!? Kein Hirngespinst, hatte sich tatsächlich eine Bekannte im Studium zugelegt 😉
Es gab keine Diät, die ich in der Oberstufe noch nicht ausprobiert hatte: Schlank im Schlaf, Kalorienzählen, Low Carb, No Carb, Atkins, Almased – ich kannte sie alle. Auf meinem Teller sah ich nicht mehr Essen, sondern nur noch Kohlenhydrate, Fette und Proteine und natürlich die entsprechenden Kalorien. Und obwohl ich so verzweifelt versuchte, diese „verdammten letzten Kilos“ zum vermeintlich perfekten Traumbody abzunehmen, hatte ich immer noch nicht gelernt Versuchungen zu widerstehen. Während andere in meinem Alter versuchten heimlich Alkohol mit ins Haus zu schmuggeln, mussten meine Freunde versuchten einen Cheeseburger an meiner Mutter vorbei zu schleusen. True story.

Im Abitur folgte dann der Supergau: In dem Vorbereitungsjahr futterte ich den ganzen Stress in mich hinein. Ich kaufte mir Superstretch-Jogginghosen und schloss mich zuhause ein. Als der schriftliche Teil dann geschafft war, holte mich der Diätwahnsinn wieder ein: ich wurde wieder auf Diät gesetzt. Meine Mutter hatte durch eine Freundin von einem Heilpraktiker erfahren, der einem drei Nadeln ins Ohr stach, die das Hungergefühl unterdrücken sollten und dazu gab es eine striktes Diät-Programm (natürlich mit Kosten verbunden) mit maximal 600 Kalorien am Tag. Während ich mich auf meine mündliche Abiturprüfung vorbereitete, musste ich nebenbei Kalorien zählen. Aber ich redete mir damals ein, dass ich es ja selber so wollte, der Abiball rückte schließlich näher. Ich würde jetzt gerne mein 19-jähriges Ich nehmen und ihm eine knallen…

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Das Studium

Meine Mutter. Wie ihr vielleicht schon bemerkt hat, spielt sie eine große Rolle in diesem Beziehungsdrama. Aber nicht nur sie, auch meine Großmutter (väterlicherseits), zu der ich immer ein sehr inniges Verhältnis hatte.
Auf der einen Seite: meine junge Mutter, Konfektionsgröße 34, hat wohl seit der Jahrtausendwende kein Kohlenhydrat mehr zu sich genommen. Mit den Jahren wurde ihr Körper immer drahtiger, ihre Einstellung radikaler und Fitness ist ihre Religion.
Auf der anderen Seite: meine Großmutter, Konfektionsgrößte 54, hat ihr ganzes Leben unter dem Übergewicht und den blöden Kommentaren ihrer Mitmenschen gelitten. Aber begegnet ihr auf der Straße ein anderer übergewichtiger Mensch, hält sie sich mit gehässigen Kommentaren nicht zurück – „Aber ich bin noch lange nicht so dick wie die da!“.

Als ich von zuhause auszog, veränderte sich auch meine Beziehung zu Essen schlagartig. Plötzlich konnte ich alles essen was ich wollte und musste nichts mehr verheimlichen. Meine neue Freiheit auskostend, wurde Essen plötzlich zur Nebensächlichkeit. Aber natürlich lies auch im Studium der Stress nicht lange auf sich warten, und ich futterte wieder.
Man möchte meinen, dass gerade jetzt der Einfluss meiner Familie schwächer wurde, aber tatsächlich war er nun stärker denn je. Anscheinend konnte ich so völlig auf mich allein gestellt, nicht entsprechend auf mich acht geben. Jedes Mal wenn meine Mutter im TV von einer neuen bahnbrechenden Diät erfuhr, klingelte mein Telefon sturm: „Schnell, schalt XY ein! Die neuste Hollywood-Diät und so einfach!“.
Solche Anrufe bekam ich wöchentlich. Aber nicht alle Hinweise auf meine Figur waren so offensichtlich. Die meisten Sticheleien kamen versteckt, fast schon durch die Blume. Der beliebteste Trick meiner Mutter ist auch heute noch das Vorschwärmen von anderen Töchtern:
„Hach ich habe letztens die Tochter von XY kennengelernt. Die ist ja sooo hübsch! Ein Körper…“ säuselt sie dann immer voller Verzückung. Nie waren die Töchter anderer Mütter charmant, intelligent oder witzig. Sie waren nur schlank, sexy und hatten einen Traumkörper. Gerne denke ich an einen meiner Geburtstage zurück: Ich wünschte mir Taschengeld für den nächsten Sommerurlaub, schenken wollte mir meine Mutter aber lieber die überteuerte Metabolic Diet. Eine Diät zum Geburtstag? Klar, wieso sollte man auch einfach feiern, dass ich auf der Welt bin…

Als ich Veganerin wurde, wurde alles nur noch schlimmer. Als ich meine Ernährungsumstellung noch als „Diät“ verkaufte,  war alles in Ordnung aber nachdem ich mich ethisch dazu bekannte, gab ich die Bahn frei für jahrelanges Bodyshaming.
Kurz gesagt: ich bin dick, weil ich Veganerin bin. Die ganzen Kohlenhydrate… ihr wisst schon. Dass ich anfangs sogar abnahm und später einfach mehr Stress hatte und es total aufregend fand neue Gerichte für mich zu entdecken – ja sogar erstmals lernte zu kochen – tut hier nichts zur Sache.
Wenn ich heute meine Oma besuche, mustert sie mich immer auffällig und kommt jedes Mal nickend zu dem Entschluss: „Dieses vegan was du da machst, das kann ja auch nichts sein.“, gerne packt sie dabei meine speckigen Oberarme und knautscht sie ordentlich.

Die letzten Jahre machten mein Körper und ich eine schwierige Zeit durch. Ich nahm zu, ohne großartig anders zu essen. Ich bewegte mich sogar mehr, ging jeden Tag lange spazieren, zusätzlich zu den Besuchen im Fitnessstudio; meldete mich bei Hochschulsportkursen an und probierte neue Sportarten aus. Kickboxen, Krav Maga und ein langer Traum: Poledance. Aber ich konnte nicht mithalten und ich ertrug die verstohlenen Blicke nicht. Es half auch alles nichts. Stattdessen wurde ich immer müder und träger. Irgendwann hatte ich nur noch Schmerzen, meine Beine pulsierten und ich konnte nichtmal mehr kürzeste Strecken mit dem Fahrrad fahren. Sport war jetzt tatsächlich eine Qual. Aber nicht nur mein Körper ließ nach, auch mein Verstand. Das Lernen fiel mir zusehends schwerer und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Ich ging zu meinem Arzt und klagte ihm mein Leid. Als ich auf das Gewicht zu sprechen kam, sagte er nur genervt „Wenn sie im Sommer nicht abnehmen wollen, müssen Sie halt im Winter weniger futtern.“ – Fall geklärt, danke für die Diagnose. Ich ging zu vielen Ärzten. Alle musterten mich nur von Kopf bis Fuß, und jeder erzählte mir nach der Frage, was ich denn studiere, es sei ganz klar Burnout und ein neuer Ernährungsplan würde ja helfen. Jedes. Verdammte. Mal. Und nein, ich ging es in der Zeit ziemlich locker an. Ein Bluttest ergab später eine Schilddrüsenunterfunktion. Ich bekam erst Jodtabletten, dann Hormone, aber es wurde nicht besser. Termin bei einer Spezialistin. Die stellte erschrocken fest, dass meine Schilddrüse viel zu klein sei. „Kein Wunder, bei der Größe kann sie ja gar nicht genug Hormone produzieren!“ – endlich schien der Grund gefunden zu sein! Aber es ging mir trotzdem nicht besser und jeder Arzt erzählte mir etwas anderes. Ich hatte die Schnauze voll und war frustriert. Ich lehnte meinen Körper nun endgültig ab.

Nach außen hin gab ich mich – nun wieder offiziell moppelig – mit der Situation zufrieden. „Ich möchte schließlich nicht Model werden.“ erklärte ich immer selbstbewusst, das Studium gehe nunmal vor. Aber tatsächlich war in meinem Kopf kein Platz für Lehrmaterialien. Stattdessen fragte ich mich jeden Tag, was ich ändern könne. Mehr Sport, am besten ein Dreier-Split-Plan; nur noch Wholefoods, mehr „leafy greens“ ,  nur noch Vollkorn-Reis, kein Brot mehr, keine Nudeln, und Fette sowieso nicht! Adé Avocados!  Ich fühlte mich ungeheuer machtlos und war zutiefst frustriert. Wenn ich doch einfach schlanker wäre…

Mein Körper sieht niedergeschlagen zu mir rüber. „Das war auch für mich keine leichte Zeit, und du hast mich nur mit Vorwürfen überhäuft.“. Er klingt müde, zurecht. Es tut mir leid, möchte ich ihm sagen. Es tut mir leid, dass ich dir die Schuld gegeben habe. Es tut mir leid, dass ich dich immer weiter unter Druck gesetzt habe, endlich so zu funktionieren, wie ich es wollte. 

Wenn ich morgens aufwachte, galt mein erster Gedanke dem Hüftspeck, der aus meinem Pyjama quoll. Hass. Ich war schon im Selbsthass versunken  bevor ich aufgestanden war. Auf dem Weg ins Bad bloß nicht in den großen Spiegel sehen. Aber nach außen hin gab ich mich stark und selbstbewusst, ich machte sogar Witze über meine Gewichtszunahme. Aber auch die härteste Fassade hält nicht stand, wenn sie aus mehreren Richtungen gleichzeitig bombardiert wird….

Der furchtbarste Moment in meinem eigentlich noch jungen Leben, ist noch gar nicht so lange her…

Bis dahin hatte ich immer das Glück, nur von einer Seite beschossen zu werden. Entweder es war meine Mutter, oder meine Großmutter. An einem unglückseligen Herbsttag vor zwei Jahren, waren es beide. Familienbesuch.
Wir saßen in der Küche meiner Oma und tranken Tee. Ich stand am Kopfende und ordnete die Korrespondenz meiner Großmutter. Links und rechts jeweils die beiden Body-Ikonen meines Lebens.
„Dieses vegan bringt ja gar nix.“ stellte meine Oma mal wieder fest. Und plötzlich streckte sie ihre Hand nach mir aus und griff beherzt in meinen Bauchspeck. Blankes Entsetzen meinerseits. Aber es war noch nicht genug. Sie grabbelte weiter mit prüfendem Blick in meinem Speck herum, als stünde ich zur Auswahl für den nächsten Sonntagsbraten. „Ne ne…“ machte sie dabei immer wieder und schüttelte den Kopf. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Mein Puls raste, Schweiß strömte aus allen Poren.
„Bitte… lass… das!“ war alles, was ich herausbekam. Ich kämpfte mit den Tränen, es war einfach mehr Demütigung, als ich ertragen konnte. Ich blickte hilfesuchend zu meiner Mutter. Aber sie saß nur da, mit ihrer Teetasse in der Hand und sah mich mit einer Mischung aus Genugtuung und Sorge an. Ihr Blick sprach Bände: Siehst du nun endlich, wie schlimm es um dich steht?
„Lass das!“ keuchte ich noch einmal. Mein Hüftspeck wurde weiterhin befummelt. Sie hörte nicht auf. Sie hörten nicht auf.
Zu dieser Zeit hatte ich „nur“ 10kg zugenommen. Ich trug eine Konfektionsgröße größer. Statt 38/40 nun eben 40/42. Aber meine Familie behandelte mich als sei ich hochgradig adipös.

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Ich brauchte Monate, um mich von diesem Tag zu erholen. Ich hatte es kaum für möglich gehalten, aber danach hasste ich mich noch mehr. Ich hasste meinen Körper, der anscheinend gegen mich arbeitete, hasste die Tatsache, dass ich von meiner Familie „wie ein Mensch zweiter Klasse“ behandelt wurde und hasste mich selbst noch viel mehr dafür, dass ich mich nicht selbst behaupten konnte…

„Ich glaube an dieser Stelle machen wir Schluss für heute.“ Die Therapeutin sieht mich besorgt an, „Sie haben viel aufgearbeitet, das sollten Sie erstmal sacken lassen.“. Ich keuche, mein Herz rast. In meinem Bauch spüre ich brodelnde Wut, dagegen ist mein Herz erstarrt vor Trauer und Beklemmung. Die Gedanken schwirren in meinem Kopf. Ich kämpfe wieder mir den Tränen. „An dieser Stelle machen wir dann nächstes Mal weiter.“ 

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Ich danke allen, die bis zu dieser Stelle gelesen haben. Es hat mich sehr viel Mut gekostet, zum ersten Mal so offen zu schreiben und gleichzeitig so viel von mir preiszugeben. Aber ich merke auch, wie gut es tat, mir alles von der Seele zu schreiben. Oder mit anderen Worten: mich mal so richtig auszukotzen 😀 Es tut mir leid, wenn ich zwischenzeitlich den Faden verloren habe, es war etwas schwierig bei all den Erinnerungen, die mich plötzlich überfluteten, den Überblick zu behalten. Und dann hat man den Absatz schon fast fertig und ach ja, dann fällt einem ja doch noch was ein 😀

Vielleicht fragt sich manch einer auch, was das denn alles mit Body Positivity zu tun hat. Nun, ich dachte bevor ich darüber schreibe, wieso ich meinen Körper so akzeptieren möchte wie er ist, sollte ich mich nochmal damit auseinander setzen, warum ich das so lange nicht konnte.

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Desserts · Lifestyle · Snacks

Ben & Jerry’s Non-Dairy: Die neue vegane Eiszeit

Alternativer Titel: Wie ich dank Ben & Jerry’s mit dem Rauchen anfing.

Ich entschuldige mich jetzt schon bei allen Lesern. Mein Puls rast und meine Hände sind noch ganz zittrig, aber ich versuche diesen Schwall an Emotionen – eine Mischung aus Verliebtheit und knisternder Erotik – zu unterdrücken, um einen möglichst sachlichen und verständlichen Post zu Tage zu bringen… 

Als Ben & Jerry’s im Herbst 2017 die neuen veganen Sorten auch endlich in Deutschland auf den Markt brachten, spalteten sie gleichzeitig die gesamte Bundesrepublik in zwei Kategorien:
Eine kleine, begrenzte Anzahl glücklicher Menschen, die Ben & Jerry’s kaufen konnten und eben jene, die es nicht konnten. In den Sozialen Netzwerken wurde zwar kräftig die Werbetrommel gerührt aber wie bei vielen veganen Neuheiten, mussten sich auch die meisten Veganer fragen, ob es sich bei den beworbenen Produkten nicht doch um einen Mythos handelt – oder gar um Fake News.
Es erinnerte stark an das Phänomen der Lidl Fan-Pizza: Wer die veganen Ben & Jerry’s Eissorten finden konnte, postete stolz ein Foto mit der Ausbeute. Aber viele konnten nur noch einen Blick in die leergefegten Regale werfen. Man folgte jeder Spur, jedem Gerücht, wo es vielleicht doch noch einen Becher zu finden gab…

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Lesestoff · Lifestyle · Minimal Waste

#KonMari: Die Magie der Ordnung

Oder auch: Wie ein zufälliges Zitat und die Lektüre des Buches mir zu mehr Ordnung,  Balance und nachhaltigem Umdenken verhalfen. Ich dachte auch kurz daran „Vom Messi zur Putzfee“  als Titel zu nehmen aber mein innerer Chaot fühlte sich davon etwas diskriminiert.

Ich glaube viele von uns kennen das, vor allem die Frauen: Der Kleiderschrank ist voll, aber zum Anziehen findet man trotzdem nichts. Die Regale in der Wohnung platzen aus allen Nähten und es mangelt vorne und hinten an Platz für Neues. Im Badezimmer tummeln sich Cremes, Lotionen, Kuren, Masken, Öle und allerhand Equipment, das uns helfen soll noch schöner zu werden und es kommt trotzdem immer mehr dazu. Um das Chaos einzudämmen gibt es praktische Helferlein wie transparente Kisten und Schubladeneinteiler oder es braucht gleich ein neues Regal. Ihr denkt ich übertreibe? Tatsächlich bin ich öfter zu Ikea gefahren um ein neues Regal oder einen neuen Beistelltisch zu kaufen anstatt den Blick mal auf den Inhalt meiner bereits vorhandenen Einrichtung zu richten.  Weiterlesen „#KonMari: Die Magie der Ordnung“

Hauptmahlzeiten · High Carb Low Fat · Lifestyle · Minimal Waste

Mein Jahresvorrat an plastikfreien Bio-Nudeln

Ich liebe Nudeln! Gibt es etwas besseres, als einen großen Teller mit heißer Pasta in einer kräftigen, leuchtend roten  Tomatensoße? Oder mit einem nussigen Pesto? Oder vielleicht doch lieber à la Stroganoff mit einer cremigen Pilzsoße? So viele tolle Formen und so viele köstliche Soßen. Weniger appetitlich ist allerdings das Ausmaß an Verpackungsmüll, das jede Packung mit sich bringt. Vor allem, wenn man öfters Nudeln isst. Die Supermärkte sind voll mit den interessantesten Formen und Farben aber plastikfrei findet man bestenfalls nur Lasagneblätter.

Seit ich auf ein verheißungsvolles Rezept gestoßen bin, für das man allerdings Suppenudeln braucht, habe ich nach einem Shop gesucht, bei dem man ein breites Angebot bestellen kann. Fündig wurde ich auf der Seite vom Biohof Lex. Dort fand ich eine erfreuliche Auswahl an Ei-freien DinkelnudelnWeiterlesen „Mein Jahresvorrat an plastikfreien Bio-Nudeln“

Allgemein · Lifestyle

Mein Dilemma mit den Unveperackt-Läden

Wie einige vielleicht schon auf Instagram verfolgen konnten, versuche ich seit einiger Zeit vermehrt in Unverpackt-Läden einzukaufen. Für alle die es nicht wissen und über den Begriff verwundert sind:  In Unverpackt-Läden kann man – wie der Name schon verrät – Lebensmittel und oft auch Haushalts- und Hygieneartikel ohne Verpackung kaufen oder die entsprechend umweltfreundliche Alternative. Das System ist ganz simpel: Entweder man kann sein eigenes Gefäß mitbringen und es vor dem Befüllen abwiegen oder man nimmt erst einen Behälter von dort und füllt danach in die eigenen Behältnisse ab.
Ich weiß nicht was zuerst da war, die Inspiration durch Zero-Waste-Aktivisten wie @Trashisfortossers und @Wastelandrebel oder meine wochenlange Entrümplungs-Phase, nachdem ich auf die Aufräumtechniken von @MarieKondo gestoßen bin. Ich glaube es war letzteres.  Weiterlesen „Mein Dilemma mit den Unveperackt-Läden“

Allgemein · Brot · Frühstück · Lifestyle

Veganer und Marmelade

Montagmorgen, trübes Regenwetter und ein grauer Schleier, der die Welt in einen dunstigen Schwarzweißfilm verwandelt. Aber angeblich hat man ja die besten Entfaltungsmöglichkeiten, wenn man zerknittert aufwacht. Als ich heute morgen aufwachte, konnte ich dem Wochenstart nicht mehr Hassgefühle entgegenbringen, vor allem weil ich schon mit knurrendem Magen aufwachte und keinen Schimmer hatte, was ich frühstücken sollte. Also schlurfte ich missmutig mit meiner allmorgendlichen Löwenmähne und kaum fähig meine Augen anständig zu öffnen in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Und da standen sie, harmonisch aneinandergereiht, in einem glänzenden Farbenspiel aus Rot- und Orangetönen: meine Marmeladengläser.
Während ich also meinen Toast in den Toaster steckte und auf die knusprig warme Backware wartete, überlegte ich, wieso ich eigentlich so viele verschiedene Marmeladensorten im Haus hatte?!  Weiterlesen „Veganer und Marmelade“

Allgemein · Frühstück · Hauptmahlzeiten · Lifestyle · Reisen · Snacks

Vegan 2go – Bentos, Lunchboxen & Co

Mein Entschluss weniger Müll zu erzeugen, ist noch nicht lange her. 
Es fing an mit meinen Wasserflaschen. Eines schönen Morgens wurde mir bewusst, dass jede dieser Einwegplastikflaschen nichts weiter ist als ein weiterer Baustein für den gigantischen Müllberg, den die Menschheit immer weiter aufhäuft. Kurzum: Ich habe beschlossen mein Wasser nicht mehr in Plastikflaschen zu kaufen. Die naheliegende Alternative waren natürlich Glasflaschen. Aber wie ihr euch sicher denken könnt, auf Dauer wurde mir das einfach zu schwer. Mittlerweile habe ich mich für Wasserfilter entschieden, was zwar nicht hundert prozentig ideal ist, da durch die Kartuschen immer noch Plastikmüll anfällt, aber zumindest deutlich weniger als zuvor. Einziges Problem: Wie dieses Wasser transportieren, zum Beispiel zum Sport? Da waren die Plastikflaschen, vor allem die großen mit 1,5 – 2 Liter Fassungsvermögen, natürlich praktisch. Also was tun, für’s Workout doch wieder zurück zur guten alten Einwegflasche? Nonsens. Es gibt viele Mehrweg-Flaschen, aber es sollte nicht wieder Kunststoff sein. Also doch wieder Glas? Sieht schön aus, aber bei einem Bruchpiloten wie mir keine gute Idee. Vor allem wollte ich eine Flasche mit einem Fassungsvermögen von mehr als einem Liter. Fündig wurde ich schlussendlich auf Kivanta.de, wo ich mir eine robuste Edelstahlflasche mit 1800l Volumen bestellte, plus extra Sportverschluss für leichtes Trinken während des Trainings. Die Flasche ist permanent im Einsatz, nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch in der Uni.  Weiterlesen „Vegan 2go – Bentos, Lunchboxen & Co“

Allgemein · Lifestyle · Reisen

Vegan unterwegs in DUBAI

Im Frühling 2016 ging es für mich zum ersten Mal in den Nahen Osten, und zwar nach Dubai!
Die erste Frage, die ich mir bei jeder Urlaubsplanung stelle ist natürlich, wie die vegane Versorgung vor Ort aussieht. Also werden Happy Cow, Facebook und allmöglichen sozialen Netzwerke nach Infos abgecheckt. Im Fall Dubai war allerdings schnell klar: verhungern muss hier kein Veganer! Zwei wunderbare Faktoren spielen uns hier nämlich genau in die Hände:
Weiterlesen „Vegan unterwegs in DUBAI“

Desserts · Gebäck · High Carb Low Fat · Lesestoff · Lifestyle

Buch-Tipp: High Carb Vegan – Die gesunde Low Fat Küche

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Mit „High Carb Vegan – Die gesunde Low Fat Küche“ von Julia Lechner & Anton Teichmann, ist vor kurzem endlich ein deutsches Buch zum Thema High Carb Vegan erschienen. Ich bin zufällig in der Buchhandlung darüber gestolpert, blätterte kurz rein und lies es doch liegen… aber die Rezepte, vor allem die Bananensplit-Torte, gingen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf und schwups, fand es doch ganz schnell noch seinen Platz in meinem Bücherregal.
Weiterlesen „Buch-Tipp: High Carb Vegan – Die gesunde Low Fat Küche“