Das Ende aller Diäten von Dr. Joel Fuhrman

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Nach dem Welt-Bestseller „Eat To Live“ und dem dazugehörigen Kochbuch, ist nun im Frühjahr 2016 ein neues Buch von Dr. Joel Fuhrman auf dem deutschen Markt erschienen: Das Ende aller Diäten. Ein sehr vielversprechender Titel wie ich finde, und natürlich genau der richtige Zeitpunkt, an dem uns schmerzlich bewusst wird, dass es langsam wärmer wird und wir uns nicht mehr in molligen Pullis und dicken Mänteln verstecken können. Der Winterspeck muss nun endgültig runter!
Da ist ein neues Buch über gesunde, vegane Ernährung natürlich ein ordentlicher Motivationsschub und ich bekam ein Exemplar zu Ostern, das ich mir zuvor gewünscht hatte. Eat to Live habe ich zwar auch in meinem Bücherschrank, allerdings bin ich noch nicht dazu gekommen es durchzulesen. Ich hatte zwar bereits reingelesen, aber war schnell von der Radikalität von Dr. Fuhrman eingeschüchtert und lies es lieber erst noch stehen – quasi für den worst case

Viele Menschen betrachten Ernährung als eine Art Glaubenssystem und suchen sich diejenige aus, die am ehesten mit ihrer Ernährungsphilosophie oder ihren Essensvorlieben übereinstimmt. (Seite 9)

Das Ende aller Diäten (original The End of Dieting) beginnt gleich mit einem Badass-Motivationskick und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Tatsächlich hatte ich die knapp 365 Seiten in zwei Tagen durchgelesen. Allerdings besteht auch gut die Hälfte des Buches aus Rezepten 😉

…deshalb ist die wirksamste Form der Gesundheitsvorsorge die Selbsthilfe. (Seite 10)

Nach der super motivierenden Einleitung startet das Buch mit einem längeren Bericht über toxischen Hunger, einem von Fuhrman häufig benutzten Begriff um Essensüchte zu beschreiben. Er geht davon aus, dass viele übergewichtige Menschen vor allem deswegen Gewichtsprobleme haben, weil sie echten Hunger nicht mehr erkennen können und ihr Essverhalten von toxischem Hunger und emotionalem Essen bestimmt wird. Dazu, und auch im weiteren Verlauf des Buches, gibt es viele selbstverfasste Erfolgsberichte von Menschen, die mit Eat to Live bzw. der Nutritarianer-Ernährung, wie Fuhrman sein Ernährungskonzept selbst beschreibt, ihre Ziele und gesundheitliche Vorteile erlangt haben. 

Im nächsten Kapitel greift Fuhrman fünf typische Diäten auf, erklärt ihre biologische Funktionsweise, wieso sie zu kurzzeitigem Erfolg führen – und wieso sie wieder zum Scheitern verurteilt sind. Im Vergleich dazu zeigt er auf, wie die Nutritarianer-Ernährung die Mängel dieser Diät ausgleicht und wieso sein Konzept einen langfristigen Erfolg verspricht.  Die angesprochenen Diäten sind die typisch westliche Ernährung, die Paleo-Diät, die Mittelmeer-Diät, die Weizen-Diät und die (vegane) Low Fat-Ernährung. Eine Tabelle mit Lebensmitteln, die laut Fuhrman Fett in besonderem Maße bekämpfen gibt es noch dazu (Seite 89). 

Es spielt keinerlei  Rolle, in welchem Verhältnis Sie Fett, Proteine und Kohlenhydrate zu sich nehmen (innerhalb normaler Grenzen, versteht sich). Es sind vorrangig die Ernährungsqualität und die gesunderhaltene Wirkung dieser Kohlenhydrate, Fette und Proteine, die Ihre Gesundheit bestimmen. (Seite 39)

Nach 100 Seiten erreicht man dann den zweiten Teil des Buches, in dem Fuhrman konkret auf sein Konzept eingeht und die „Regeln“ und den Sinn seines Konzepts erläutert, und umfasst wieder rund 100 Seiten. Dieser Teil des Buches ist in vier Kapitel eingeteilt:

  1. Die Macht echter Nahrung
  2. Nutritarianer-Bootcamp
  3. Der Plan 
  4. Die Rezepte 

Zusammenfassend hat dieser Teil des Buches eine klare Message: Iss die Nahrung, die für deinen Körper den größten Nutzen hat. Dieser Leitspruch ist mir auch besonders im Kopf geblieben und ich versuche diesen Tipp so weit es geht umzusetzen. Fuhrman hat natürlich seine favorisierten Lebensmittel, die er näher beschreibt und setzt vor allem auf sekundäre Pflanzenstoffe und seine sogenannten G-BOMBS, die er als Superlebensmittel bezeichnet: Greens, Beans, Onions, Mushrooms, Berries, Seeds. 

Um sich ausgewogen zu ernähren und auf ihre täglichen Kalorien zu kommen, sollten Sie auf eine Auswahl andere Lebensmittel, die  gesundheitsfördernd sind, setzen: Lebensmittel wie Tomaten, Beeren,  Bohnen, Samen und Pilze. Essen Sie mehr Obst, Kürbis, Erbsen, Linsen, Sojabohnen, Nüsse und Samen. Und essen sie weniger Brot, Kartoffeln und Reis-besonders weißen Reis. Suchen Sie nicht mehr nach Diäten, sondern essen sie einfach so gesund wie möglich. (Seite 73)

Darüber hinaus legt er dem Leser noch sehr ans Herz, auf den Glykämischen Index (GI) bzw. die Glykämischen Last (GL) eines Lebensmittels zu achten und vor allem Lebensmittel zu sich zu nehmen, die eine GL von 20 oder weniger haben. Brot, Reis (vor allem weißer Reis), Hirse und Kartoffeln sind damit Lebensmittel, die man laut Furhman möglichst vermeiden oder nur in geringen Mengen verzehren sollte. Besonders Kartoffeln werden im Buch des öfteren zu den Lebensmitteln gezählt, die keine gesundheitlichen Vorteile haben und die man als Nutritarianer vermeiden sollte. 

Ebenso erklärt Fuhrman sein ANDI-Konzept, bei dem Lebensmittel (ähnlich wie beim Glykämischen Index) nach verschiedenen Kriterien nach ihrem Nutzen bewertet werden. Das Buch befasst sich ebenfalls mit Makro- und Mikronährstoffen, wie Glukose und Insulin im Körper arbeiten und geht natürlich auch noch auf die negativen Folgen des Fleischkonsums ein, wobei er vor allem auf IGF-1-Werte, Krebs und Herzkrankheiten eingeht. 

Fuhrmans Regeln für eine optimale Ernährung sehen ungefähr so aus:

  1. Essen Sie jeden Tag einen großen Salat als Hauptgericht.
  2. Essen Sie mindestens 100 g besser 200 Gramm Bohnen am Tag.
  3. Essen Sie eine große (doppelte) Portion kurz gedünstetes grünes Gemüse pro Tag.
  4.  Essen Sie als Frau mindestens 30 g Nüsse und Samen pro Tag und als Mann 40-45 g. 
  5.  Essen Sie täglich Pilze und Zwiebeln.
  6.  Essen Sie drei Portionen frisches Obst am Tag. 

Neben Tipps und den Rezepten gibt es auch noch einen Zwei-Wochen-Ernährungsplan, der das Konzept verdeutlicht und eine bequeme Einstiegshilfe darstellt. 

Wenn Sie für optimale Gesundheit essen, können Sie soviel essen, wie sie wollen, sich befriedigt fühlen und es intellektuell und emotional genießen, was Sie essen. (Seite 91)

Kommen wir nun zu dem Punkt, der mich an dem Buch besonders gestört hat: Obwohl Dr. Fuhrman selber Veganer ist und sich immer für eine vegane Ernährung ausspricht, ist dies kein veganes Buch! Ich war schon direkt bei der Einleitung sehr irritiert, als ich folgenden Absatz las: „Sie müssen auch kein Veganer oder Vegetarier werden, um einem Herzinfarkt vorzubeugen und Ihr Krebsrisiko zu senken. Sie müssen nur lebensverlängernde, köstliche und natürliche pflanzliche Lebensmittel verzehren und sehr viel weniger tierische Produkte zu sich nehmen.“ (Seite 11). Auch die ganzen Bilder mit Fleisch und Fisch haben mich extrem genervt. Aus allen Wolken fiel ich allerdings bei Rezepten wie „Burger für Fleischliebhaber mit Rindfleisch, Bohnen und Pilzen“, „Schwarze-Bohnen-Burger mit Putenfleisch“ oder dass die „Sesam-Pfanne Szechuan-Art“ mit einem Stück Lachs abgebildet wurde. Fuhrman schreibt, dass ein marginaler Anteil Fleisch bzw. tierischer Produkte okay sei und mehr dazu dienen sollte Geschmack zu geben. In einem anderen Kapitel schreibt er allerdings auch, dass es einfacher ist „böse“ Lebensmittel ganz aus dem Speiseplan zu streichen als immer nur „ein ganz klein wenig“ davon zu essen, um erfolgreich seine Sucht nach bestimmten Lebensmitteln zu bekämpfen. Na was denn nun? Vor allem ist es doch mehr als offensichtlich, dass es bei einem überzeugten Fleischesser bei den vorgeschlagenen 30g Fleisch pro Portion oder den vorgegebenen, maximal 300g tierischer Produkte pro Woche (für Frauen, für Männer sogar 450g, nachzulesen auf Seite 169) nicht bleiben würde. 

Ein weiter Punkt, der mich sehr irritiert hat: Obwohl Fuhrman immer wieder schreibt, dass man von den empfohlenen Lebensmitteln so viel essen darf wie man möchte und sich auch sattessen soll, sind die Rezepte wohl eher für Spatzenmägen ausgerichtet. Der „Apfel-Hafer-Brei“ für 2 Portionen enthält gerade mal 45g Haferflocken, also 22,5g Haferflocken pro Portion. Das ist ungefähr ein gehäufter Esslöffel. Das Rezept „Haferflocken über Nacht“ ist für 3 Portionen und enthält ganze 75g Haferflocken. Also sogar 25g Haferflocken pro Portion. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber für mich sind 25g Haferflocken nicht besonders sättigend. Da habe ich schon wieder Hunger, bevor ich zur Haustür hinaus bin, auch wenn eine ordentliche Portion Obst dabei ist. Und obwohl Fuhrman nichts von Low Carb oder Low Fat hält, enthalten die „Bananen-Cashew-Salatwraps“ (für 2 Personen) fürs Frühstück lediglich 12 Salatblätter, 2 Bananen und ganze 12 Teelöffel Cashewmus, also 6 TL reines Nussmus pro Person.

Es sind aber auch viele schöne Rezepte dabei, wie die Zimt-Johannisbeer-Frühstücks-Muffins (Seite 228) , die Orangen-Goji-Riegel (Seite 231) oder die interessanten Salatdressings. Auch die Suppen und Salat-Rezepte sind inspirierend und klingen aufregend, wie zum Beispiel der „Grünkohl-Quinoa-Salat mit Blaubeeren und Mango“ (Seite 258) oder die „Anti-Krebs-Suppe für Eilige“ (Seite 276). Es gibt auch einige Rezepte für Burger und Gebackenes und auch beim Dessert-Teil waren ein paar schöne Überraschungen dabei, wie „Kakao-Eisbohnen“ (Seite 342), „Erdbeer-Pannacotta“ (Seite 349) oder „Sommerlicher Obstkuchen“ (Seite 350).  Mir persönlich sind die Rezepte in den Büchern immer sehr wichtig und vor allem in der Frühstücks-Sektion freue ich mich über neue Anregungen und Inspirationen – von der Naschfraktion mal ganz abgesehen 😉

 

Mein Fazit:

Ich bin etwas zweigeteilt. Auf der einen Seite ist das Buch sehr motivierend und gibt einige Denkanstöße und gute Ratschläge. Andererseits hat mich der Kritikpunkt mit dem Fleisch doch sehr gewurmt.
(Dabei bin ich ja nichtmal so „hyper vegan“, und kann sowas normalerweise getrost ignorieren.) 
Ich finde das Buch ist eine ganz tolle Geschenkidee für diejenigen, die fleischverherrlichende Familienmitglieder und Freunde an die vegane Ernährung herantasten wollen, da sich diese durch die Fleisch-Rezepte vermutlich verstanden fühlen und nicht direkt verschreckt werden. Vor allem ist das Buch schön designt, enthält viele hochauflösende, farbenfrohe Bilder und Rezepte, die Omnis dazu nötigen ihren Fleischkonsum radikal einzuschränken. 
Für die vegane Fraktion mag der Infoteil interessant sein, doch ich war sehr froh, dass ich das Buch geschenkt bekommen habe und nicht 24,95€ für ein Buch hingeblättert habe, dass sich für eine vegane Ernährung ausspricht aber Rezepte mit Fleisch enthält (auch wenn bei den Rezepten Alternativen ein für eine komplett pflanzliche Variante dabeistehen). 

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